Arabische Umbrüche
Über unsere Veranstaltung
In Zukunft wird der Blog dazu dienen, einige Veranstaltungshinweise zum Thema "Arabische UmBrüche" weiterzuleiten. Der Schwerpunkt liegt dabei einerseits auf Veranstaltungen in Leipzig und andererseits auf internationale und nationale Konferenzen.
Die Vortragsreihe im Wintersemester 2011/12.
Jeden Mittwoch von 19.00-21.00 Uhr im Hörsaal 11, Hörsaalgebäude, Universitätsstraße 3, Leipzig.
Über die Vortragsreihe: Politische UmBrüche in der arabisch-islamischen Welt
Ausgehend von der sogenannten „Jasmin-Revolution“ in Tunesien setzte der Ruf nach Freiheit in der arabisch-islamischen Welt eine revolutionäre Dynamik in Gang: die Macht der Bevölkerungen gegen das Gewaltmonopol der Autokratien, die hierauf in unterschiedlicher Weise reagier(t)en.
Vor dem Hintergrund von Fragestellungen nach sozialen, politischen und ökonomischen Zielen und Wirkungen dieser Freiheits- und Demokratiebewegungen und der sie umgebenden Gesellschaften in der Gegenwart und Zukunft veranstaltet das Orientalische Institut der Universität Leipzig gemeinsam mit dem eurient e.V. im Wintersemester 2011/12 eine Ringvorlesung. Diese ist nicht als reine Informationsveranstaltung konzipiert, sondern soll vielmehr als Forum dienen, in dessen Rahmen namhafte ForscherInnen und NachwuchswissenschaftlerInnen sowie ein interessiertes Publikum über die aktuellen Entwicklungen debattieren können.
Die Ringvorlesung war eine erfolgreiche, informative und spannende Vortragsreihe zu den aktuellen Ereignissen in der arabischen Welt.
Wir danken allen Kooperationspartnern und Förderern für die freundliche Unterstützung und nicht zuletzt den Referenten sowie dem Publikum für ihre Anregungen und die Teilnahme an den Veranstaltungen.
Donnerstag, 12. April 2012
Ägyptens mühsamer Weg zur Demokratie. Ein Jahr Frühling?
Montag · 16. April 2012 · 18:00
Schaubühne Lindenfels · Leipzig
Karl-Heine-Straße 50
Eintritt frei
Ägypten 2012 - Ein Jahr nach dem politschen Frühling ist die Euphorie verflogen. Zahlreiche Bilder der Gewaltanwendung seitens der Polizei- und der Militärkräfte gegen Demonstrierende nach dem Sturz des alten Regimes erinnern an die ersten Tage der Revolution vor gut einem Jahr. Viele Aktivistinnen und Aktivisten sitzen wieder im Gefängnis, wobei ihre Kollegen, Freunde und Familien verfolgt bzw. bedroht werden.
Die Gewalt der Polizei, die Hoffnungslosigkeit angesichts des undemokratischen Handelns der Regierung und das suspekte Verhalten des gewählten Parlaments sowie des Militärrates sorgen für Empörung und Enttäuschung unter den Ägypter_innen. Die erhöhte Kriminalitätsrate durch kalkulierte Zurückhaltung der Polizei, immer wieder auftretende Krisen bei der Versorgung mit Lebensmitteln und essentiellen Gütern wie Gas und Benzin sowie Berichte über eine angebliche Einmischungen von ausländischen Einrichtungen werden augenscheinlich instrumentalisiert, um die Bevölkerung zu verunsichern und auf ihre Meinungsbildung hinsichtlich der Revolution und der Zukunft des Landes Einfluss zu nehmen. Dazu kommt das Ringen der verschiedenen Militär-, Polizei- und Geheimdienstabteilungen um ihren zukünftigen Anteil an der Macht. Von dort, heißt es, wurden immer wieder Schlägertrupps gegen Demonstranten losgeschickt. Sie setzten auf eine
Strategie des Chaos, damit sich die Ägypter nach der starken Hand Mubaraks zurücksehnen.
Zehntausende versammelten sich im März an mehreren Treffpunkten und zogen dann zum Tahrir-Platz. Freiheit, Demokratie und Gerechtigkeit - das waren die Forderungen der Revolution. Was ist daraus geworden? Stimmt die Einschätzung der Demonstrierenden des Frühjahrs 2012, dass sich gar nichts geändert hat? Welche Faktoren spielen bei der Herausforderung der Demokratisierung des Landes eine Rolle?
Die alte Elite, also der Oberste Militärrat, werde bald abtreten, meinte Joachim Paul, der zuletzt Büroleiter der Heinrich-Böll-Stiftung in Ramallah war. Seinen Mitgliedern gehe es nur noch darum, Straffreiheit durchzusetzen und ihre privaten Vermögen behalten zu dürfen. Der Zeitplan bis zur ersten Runde der Präsidentenwahl am 23. und 24. Mai lässt nur wenig Zeit zur Ausarbeitung detailierter Programme und zur Austarierung von Machtverhältnissen. Gleichzeitig sind weiterhin selbst die Grundzüge der neuen politischen
Struktur umstritten, etwa, wer genau die neue Verfassung ausarbeiten solle. Wie wird sich das Verhältnis der Muslimbrüder zu den Streitkräften entwickeln und wie stark wird die zivile demokratische Kontrolle über den Sicherheitsapparat sein?
Die beiden Gäste haben sich zuletzt im März 2012 für längere Zeit in Kairo aufgehalten und berichten von ihren Begegnungen, Gesprächen und Erfahrungen.
Prof. Dr. Omar Kamil hat die Ben-Gurion-Gastprofessur an der Universität Heidelberg inne und ist Politologe am Simon-Dubnow-Institut für jüdische Geschichte und Kultur an der Universität Leipzig. Sein Forschungsschwerpunkt umfasst die Kultur- und Ideengeschichte des Vorderen und Nahen Osten.
Walid Abd El Gawad promoviert an der Uni Leipzig.
Die Veranstaltung wird in Zusammenarbeit mit der Schaubühne Lindenfels im Rahmen der Kulturbotschaft / Ägypten und in Zusammenarbeit mit Professor Dr. Ebert, Professor für islamisches Recht am Orientalischen Institut an der Uni Leipzig durchgeführt.
Donnerstag, 5. April 2012
European-Arab Youth Congress: One Year after the "Arab Spring"
One Year after the "Arab Spring": Europe and the Arab Countries
Samstag, 31. März 2012
11.04.2012 Literaturcafé 'Arabischer Frühling'
Iman Humaidan-Junis liest aus »B wie Bleiben wie Beirut« (Lenos Verlag 2007) -Literaturcafé 'Arabischer Frühling'
Wo: Literaturhaus Leipzig, Gerichtsweg 28 04103 Leipzig
Wer: Autorin Iman Humaidan-Junis in Lesung und Gespräch mit Regina Karachouli
Eintritt: 3 / ermäßigt 2 Euro
Organisiert von eurient
mehr Infos unter Literaturcafé 'Arabischer Frühling'
Call for Papers: The Arab Revolts: Change or Continuity?
The Making Democracy network, hosted by Research in Ethics and Globalisation (REG) at the University of Groningen and its international partners, invite the submission of abstracts for the above-mentioned panel.This panel will be part of the Centre for Applied Philosophy, Politics and Ethics (CAPPE)’s conference on Riot, Revolt and Revolution at the University of Brighton.
The general theme of the conference is the relation between social, political and economic change and forms of resistance. It investigates to what extent specific forms of resistance are necessary to inaugurate social and political change.It particularly examines those moments of historical change when existing orders are put into question.
This panel seeks to engage the broader theme of the conference with specific reference to the Arab revolts that have spread through the Middle Eastern and North African (MENA) region during 2011 and are still continuing.These revolts – also often labeled the ‘Arab Spring’ – particularly challenged the dominant status quo as people took to the streets to demand dignity, freedom and social justice.They also challenged the Western perception of the region as an area of exception – as an area where the only option was either a (stable?) dictatorial ruler or radical islamists.Yet the Arab revolts have also unleashed many questions about the nature of revolt, the process of democratic and economic transition as well as prospects of change in the region, and it is those question s that this panel seeks to critically engage with through both empirical and theoretical expositions.
Hence, focusing on Egypt, Tunisia, Syria, Libya, Yemen and Bahrain, but not forgetting the protest movements in Iran and Saudi Arabia, this panel invites papers that address questions such as the following:
Will the political, social and economic situation in the affected countries actually change? Or will the status quo remain intact?
Can and should the revolutionary demands be incorporated in institutional political channels? What will the effects of this be on the revolutionary demands?
What is the relation between external foreign policy (including external democracy promotion and military intervention) and internal uprisings?
Will the living conditions improve or deteriorate for the people living in these countries? What are the right social, political and economic policies?
Do the Arab revolts challenge established conceptions of citizenship, modernity, and democracy? What will be the effect on political practice and theory?
Are regimes really transformed or do they more or less remain the same? How it the transitional process handled in the region? What are the forms of transitional justice we see emerging?
The deadline for the submission of abstracts is now extended to Friday 27 April 2012. Abstracts should be sent to reg@rug.nl .
The conference fee is £210. This includes refreshments; lunch on Wednesday, Thursday and Friday; and a buffet dinner on the Thursday evening. There are a limited number of places available for graduate students and for people who have no institutional affiliation at the reduced price of £105. Please indicate if you wish to be considered for one of these places when sending your abstract.
More information on Research in Ethics and Globalisation can be found on: http://www.rug.nl/gsg/reg.
General information on the CAPPE conference can be found on: http://arts.brighton.ac.uk/
Practical conference enquiries should be directed to Nicola Clewer on: nc95@brighton.ac.uk
Mittwoch, 8. Februar 2012
Podiumsdiskussion: Arabischer Frühling - Dynamiken und Perspektiven
Saal des Zeitgeschichtlichen Forums Leipzig
Podiumsdiskussion im Rahmen der Konferenz "Realigning Power Geometries in the Arab World" mit 50 Wissenschaftlern aus der arabischen Welt (deutsch-arabisch simultan gedolmetscht)
Anmeldung erforderlich:
Montag, 6. Februar 2012
Vortrag vom 1.2. zum Nach-Sehen
https://vortrag_armirpur
Donnerstag, 2. Februar 2012
Lesung "Arabischer Frühling": Ghada Abdelaal liest aus "Ich will heiraten!"
Literaturcafé
http://www.orient.uni-leipzig.de/aktuelles/newsdetails/artikel/7/lesung-arabischer-fruehling/
Freitag, 27. Januar 2012
Vortrag am 01.02.12 von Prof. Dr. Katajun Amirpur über: Die Arabellion und Iran - Einflüsse und Unterschiede.
Zusammenfassung/Abstract
Viele Iraner und Teile der internationalen Gemeinschaft hofften im Januar, Februar letzten Jahres, dass der Funke der Arabellions auf Iran überspringen würde bzw. wieder zurückspringen. Das ist nicht passiert und die Frage ist natürlich, warum? Ein Teil des Vortrags geht dieser Frage nach, ein weiterer soll darlegen, warum ich meine, dass Iran sich seit dem Sommer 2009 in seiner bislang größten Legitimationskrise befindet; und warum deshalb – und aus anderen Gründen - letztlich die Hofnung auf einen demokratischen Iran nicht unbegründet ist – auch wenn es noch ein bisschen dauern kann.
Akademischer Werdegang/Academic Profile
- Studium der Islamwissenschaften und der Politikwissenschaften an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn (1990 bis 1994).
- 1994 bis 1995 DAAD-gefördertes Studium der schiitischen Theologie in Teheran.
- 1996 Magister im Fach Islamwissenschaften.
- 1996 bis 1999 Promotionsstipendium im Graduiertenkolleg für Gegenwartsbezogene Orientforschung der Universitäten Erlangen/Bamberg.
- 2000 dort Promotion im Fach Iranistik bei Bert G. Fragner.
- Lehrbeauftragte am Seminar für Islamwissenschaften der FU Berlin (2000 bis 2001), am Seminar für Islamwissenschaften der Universität Bonn (2002, sowie 2005 bis 2006) und an der Hochschule für Philosophie der Jesuiten in München (2009).
- Emmy Noether Post-Doc Stipendiatin der Deutschen Forschungsgemeinschaft in Leiden bei Nasr Hamid Abu Zayd (2003 bis 2005) und Stipendiatin der Fritz Thyssen Stiftung an der Universität Bonn (2007 bis 2008).
- Assistenzprofessorin für Moderne Islamische Welt mit Schwerpunkt Iran an der Universität Zürich (2010 bis 2011).
- seit Oktober 2011 Professorin für „Islamische Studien/Islamische Theologie“ sowie
- stellvertretende Direktorin der Akademie der Weltreligionen an der Universität Hamburg
- Islam und Gender
- Islam und Dialog
- (Im Druck bzw. in Vorbereitung) Muslimische Aufklärer. Die Reformdebatte im Islam. 2012. C.H.Beck.
- (Im Druck bzw. in Vorbereitung) „Zwischen Demokratie- und Islamismuskritik: Der ideale Staat im Denken iranischer Intellektueller“, in: Zapf, Holger (Hg.): Staatsverständnisse in der islamischen Welt. Zwischen Fundamentalismus und politischer Emanzipation.
- (Im Druck bzw. in Vorbereitung) „Der Toleranzgedanke im Denken zeitgenössischer iranischer Intellektueller“, in: Rotach, Brigitta & Miriam Bienenstock (Hg.): Religiöse Toleranz heute - und gestern, Freiburg i.B.
- "Das demokratische Potenzial der arabischen Welt", in: Neue Gesellschaft. Frankfurter Hefte ? (2011), 39-42.
- “Islamischer Feminismus – Konzept und Kritik eines Begriffs”, in: Gerber, Christine, Petersen, Silke & Wolfram Weiße: Unbeschreiblich weiblich. Neue Fragen zur Geschlechterdifferenz in den Religionen, LIT-Verlag, Reihe: Theologische Frauenforschung in Europa, 195-213.
- “Zum iranisch-jüdischen Verhältnis”, in: Wetzel, Juliane & Wolfgang Benz (Hgs.): Jahrbuch für Antisemitismusforschung 20 (2011), Berlin, 240-263.
Vortrag Christian Junge
Der Raum in der Literatur der 1990er und 2000er: Literarische Raumsemantiken
1. Der Hausroman: Die ganze Gesellschaft in einem Haus
Alaa al-Aswani (geb. 1957): Der Jakubijan-Bau (2002)
Hamdi Abu Golayyil (geb. 1967/68) Diebe im Ruhestand (2002)
2. Ein Zimmer für sich allein? Die Räume der Frau in der Gesellschaft
Miral at-Tahawi (geb. 1968): Das Zelt (1996)
Ghada Abdelaal (geb. 1978): Ich will heiraten! (2007)
3. Kein Ort für Intellektuelle, nirgends? Selbstverortung der Intellektuellen
Mustafa Zikri (geb. 1966): Viel Lärm um ein gotisches Labyrinth (1997)
Khaled al-Khamissi (geb. 1962): Im Taxi (2007)
4. Graphic Novel und Gothic Novel: Gegenräume der Popkultur
Magdy al-Shafee (geb. 1961): Metro (2008)
Ahmad Khaled Tawfiq (geb. 1962): Utopia (2009)
Dienstag, 10. Januar 2012
heute: Vortrag von Prof. Conermann
"Der 'Arabische Frühling' als Herausforderung für die Islamwissenschaft"
Dienstag, 10.01.2012, 19 Uhr s.t.
Schillerstraße 6, 04109 Leipzig, S 102
http://www.uni-leipzig.de/~religion/doc/Vortrag%20Conermann.pdf
Freitag, 6. Januar 2012
Vortrag am 11.01.2012: Wem gehört die 'jemenitische Revolution'? Akteure, Strategien und Rahmenbedingungen des politischen Umbruchs im Jemen
http://www.uni-bielefeld.de/marie-christine_heinze.html
Vortrag vom 4.1. zum Nach-Sehen
Montag, 2. Januar 2012
Mythos und Wirklichkeit der 'Medienrevolution' im Nahen Osten
unser erster Vortrag im Jahr 2012 findet diesen Mittwoch, am 04.01., ab 19:15 Uhr im Hörsaal 11 der Uni Leipzig statt. Prof. Carola Richter von der FU Berlin fragt nach der Rolle der neuen Medien im Zuge des Arabischen Frühlings: Der Mythos und die Wirklichkeit der 'Medienrevolution' steht im Mittelpunkt ihres Vortrags.
Abstract:
Als die ägyptische Armeeführung am 11. Februar 2011 die Absetzung Husni Mubaraks bekanntgab, wurde dieser Diktatorensturz als Facebook-Revolution gefeiert. Wael Ghonim, der Initiator einer Facebook-Gruppe, wurde überschwänglich als Held verehrt und über das Kurznachrichtennetzwerk Twitter gratulierten sich die vernetzten Aktivisten in Ägypten.
War dies also ein von der Kraft der neuen Medien provozierter Umsturz?
Bereits Anfang des Jahrtausends wurde euphorisch über die demokratisierende Wirkung des Internets gesprochen. Die Dezentralität des Netzes, der weitgehend erschwingliche Zugang, die geringen technischen Anforderungen an den Einzelnen, die Möglichkeit der eigenständigen Inhaltsproduktion durch das unabhängige Individuum und die vermeintliche Aushebelung autoritärer und institutioneller Kontrolle wurden als Garanten für weitreichende politische und gesellschaftliche Effekte dieses Mediums gesehen.
Die Realität freilich ließ Zweifel an diesen unmittelbaren Effekten aufkommen. Die Kontrollierbarkeit des Internets und seiner Produzenten stellte die Regime der Region zwar vor technische Herausforderungen, gleichwohl konnten sie durch Monopolisierung der Serverzugänge, Verfolgung von Bloggern und Netzaktivisten, den Einsatz von Internetpolizisten und das Filtern bestimmter Webseiten und Schlagwörter die Kontrolle über das Netz weitgehend zurückgewinnen. Auch die gesellschaftliche Breite der Nutzung blieb lange ein Mythos: So waren es in der Regel urbane junge Männer, die Zugang zum Internet hatten und dort vor allem nach Unterhaltungsangeboten suchten.
Trotz dieser Relativierungen ist nicht zu verkennen, dass die neuen Medien in ihrer spezifischen Nutzung durch gesellschaftliche Akteure eine wesentliche Rolle bei den Umbrüchen in der arabischen Welt Anfang 2011 spiel(t)en. Doch wäre es viel zu kurz gegriffen, euphorisch das Internet per se als Katalysator von Revolutionen zu feiern. Im Folgenden sollen deshalb die medienpolitischen Mechanismen beschrieben werden, durch welche die Rolle des Internets in diesen Umbrüchen zu verorten ist.
Hintergrundinfos zum Vortrag findet ihr auch in dem Artikel der Referentin: “Revolutionen 2.0? Zur Rolle der Medien beim politischen Wandel in der arabischen Welt 2011“. In: Johannsen, Margret et al. (Hrsg.): Friedensgutachten 2011. Münster: LIT.
Vita
- 1997-2004 Magister-Studium der Arabistik, Journalistik und Politikwissenschaften an der Universität Leipzig
- 2000 Studium der arabischen Sprache, Journalistik und Philosophie an der Birzeit University in Palästina
- 1999-2004 Studienförderung der Friedrich-Ebert-Stiftung
- Verschiedene Praktika u.a. beim Jerusalem Media and Communication Centre (JMCC) in Jerusalem und beim Deutschen Orient Institut in Hamburg
- M.A.-Abschluss über "Das Mediensystem in Libyen. Akteure und Entwicklungen"
- 2004-2010 Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Seminar für Medien- und Kommunikationswissenschaft / Schwerpunkt Vergleichende Analyse von Mediensystemen und Kommunikationskulturen (Prof. Dr. Kai Hafez) an der Universität Erfurt
- 2006 Leitung der DAAD-geförderten Exkursion "Medien und Religion in Ägypten"
- 2007 Stipendiatin des Fulbright Summer Institute in San Francisco
- 2009-2010 Projektverantwortliche und Autorin der Studie "Die China-Berichterstattung in den deutschen Medien" im Auftrag der Heinrich-Böll-Stiftung
- Seit 2011 Herausgeberin des Global Media Journal - Deutsche Edition (www.globalmediajournal.de)
- 2011 Lehrbeauftragte an der Universität Erfurt und der FU Berlin
- Seit August 2011 Juniorprofessorin für Internationale Kommunikation an der FU Berlin
Dienstag, 20. Dezember 2011
Neuerscheinung: Tunesien als islamische Demokratie? Rāšid al-Ġannūšī und die Zeit nach der Revolution
http://www.waxmann.com/preuschaft
Donnerstag, 15. Dezember 2011
Der Vortrag von Dr. Hecker über die Rolle der Türkei beim Arabischen Frühling zum Nachlesen
Die […] Ringvorlesung „UmBrüche in der arabisch-islamischen Welt – Frühling oder Eiszeit?“ hatte am 30.11. Dr. Pierre Hecker von der Universität Marburg zu Gast, der sich in seinem Vortrag der Rolle widmete, die die Türkei im arabischen Frühling spielt. Die Bereiche der türkischen Gesellschaft, die von den Geschehnissen im Nahen Osten beeinflusst werden, sind vielfältig: eine bereits bestehende Frauenbewegung macht sich die Forderungen nach Freiheit in anderen Ländern zu eigen; die kurdische Minderheit im Osten der Türkei ruft nach einem „kurdischen Frühling“; die ältere türkische Staatsideologie des Kemalismus wittert durch die Revolutionen neuen Auftrieb. Doch Hecker wählt für seinen Vortrag die ihm am bedeutendsten scheinende Perspektive der türkischen Außenpolitik. Zunächst gibt er einen historischen Überblick: Auf den Trümmern des Osmanischen Reichs entstand 1923 nach einem Befreiungskrieg die türkische Republik; im Kalten Krieg fungierte sie als ein Bollwerk gegen den Kommunismus in der gesamten Region, woraus sich eine entsprechend enge Westbindung ergab; nach Ende des Kalten Krieges folgte eine Phase des selbstgewählten Isolationismus, während im Land islamistische Kräfte langsam an Boden gewannen; heute schließlich befindet sich die Türkei, wie ein Zuhörer in der Diskussion formulierte, zwischen 100 Stühlen. Grundzug der Regierungspartei AKP ist die Ansicht, der Islam ließe sich mit einer modernen säkularen Demokratie vereinen. Dem entspricht die Selbstpräsentation der Türkei als Vorbild für die neuen Demokratien in Libyien und Ägypten. Vieles an diesem Bild ist jedoch fraglich: Ist die Türkei wirklich ein Beispiel für eine Demokratie nach westlichem Vorbild? Hecker gibt Beispiele für Verhaftungen Andersdenkender, vor allem kurz vor Wahlen und zitiert den Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdoğan (allerdings aus den Neunzigerjahren), dass die Demokratie wie ein Bus sei, aus dem man aussteigen könne, sobald man seine Ziele erreicht habe. Aber auch die andere Seite der Selbstpräsentation der Türkei als eine islamische Demokratie steht, zumindest bei den sich neu entwickelnden nahöstlichen Demokratien, in Frage. So stieß Erdoğan bei seinen Besuchen in Libyen und Ägypten im September auf Unverständnis, als er den Anwesenden einen laizistischen Staat anempfahl. Einflussreiche Kräfte wie die ägyptische Muslimbruderschaft können sich offenbar doch nicht ohne Weiteres mit dem Weg der Türkei identifizieren.
Alles in allem wirft die Politik der Türkei, der regierenden AKP und insbesondere Recep Tayyip Erdoğans mehr Fragen auf, als sie zu beantworten in der Lage ist. Diese Uneindeutigkeit legt den Schluss nahe, dass die Außenpolitik der Türkei eine Machtpolitik im Dienste von Personen und Parteien, nicht Idealen, ist. Ob diese Politik der Entwicklung im Nahen Osten auf Dauer mehr schadet als nützt, muss die Zukunft zeigen.
Tom Kaden